Archiv für Dezember, 2009

That’s Bürgersinn!

Die  Neue Züricher Zeitung beschäftigt sich in einem langen Stück anlässlich der Rückabwicklung des Gängeviertel-Kaufvertrags mit der Recht-auf-Stadt-Bewegung. Der Autor lobt uns dafür, das wir unseren “Protest ungleich intelligenter als andere unter die Leute bringen”, schlägt allerdings den Erfolg des Gängeviertels auch dem Umstand zu, dass in Hamburg “nicht nur die Pfeffersäcke” Gehör finden: “Hier galt der Bürgersinn stets viel”, schreibt die Schweizer Tageszeitung.

Jaja, der Bürgersinn der alten Hansestadt. Den hatte zuletzt der “Spiegel” überregional gelobt – vor fast vier Jahren, als Matthusek & Co. die Elbphilharmonie zur “Freiheitsstatue des hanseatischen Bürgertums” erklärten. Damals propagierten von Beust & Konsorten  nämlich noch, die Baukosten damit bestreiten zu können, dass man in der Bourgeoisie den Klingebeutel rumgehen lässt. Zitat aus dem Spiegel 3/2006: “Denn es ist nicht der Staat, der diesen Traum in Wirklichkeit verwandeln soll. Es sind die Bürger selbst. Würden sie die Sache dem Staat überlassen, würde die Philharmonie nie gebaut werden. So aber wächst die Konzerthalle ihrer Verwirklichung entgegen. Zwei Säle, ein Fünf-Sterne-Hotel, Restaurants, Luxuswohnungen, Cafés, eine Plaza in 37 Meter Höhe. Die Mauern, die einst den Kakao umschlossen, werden die Autos verschwinden lassen. Altes und Neues vermählen sich, das luftige Schönheitsideal von heute beflügelt den alten Handelskaliban.”

Uuuuh! Kein Wunder, dass das dieses Bürgertum den Gängeviertelianern das selbstverwaltete Instandbesetzen handwerklich nicht zutrauen mag – so etwa Markus Schreiber, Bezirksamtsleiter Mitte, im Hamburg Journal vom 19.12.09. Die Vermählung von Altem und Neuem sieht nämlich nur gut aus, wenn Hochtief ordentlich dran verdient.

21. Dezember 2009 at 10:28 nachmittags 1 Kommentar

Wie kreativ war das denn!

Bei beißender Kälte, schikaniert von unsinnigen Auflagen und aus der Innenstadt verbannt: Trotzdem kamen zur “Recht auf Stadt”-Parade am Sa 18.12.09 gut 4000 Menschen, die richtig was drauf hatten (Kostümierungen, Slogans) und die sich ordentlich amüsiert haben. Weil die Polizeit ein völlig überzogenes und fehleingeschätztes Randalerisiko ausgemacht hatte, konnte sich die Parade nicht durch die Shopping- und Weihnachtsmarkthölle in der City wälzen, also ging es vom Dammtor über’s Gängeviertel nach St. Pauli und dann nach Altona-Alstadt zum Frappant.

Das Abendblatt und die Taz haben drüber geschrieben. Hier ausserdem der Beitrag von NIONHH als pdf: NIONHH Parade

19. Dezember 2009 at 6:30 nachmittags 1 Kommentar

Recht auf Stadt – Die Parade am 18.12.

Natürlich mobilisiert auch “Not In Our Name, Marke Hamburg” zur großen Recht-auf-Stadt Parade am Freitag den 18. Dezember! Los geht’s um 16:30 auf der Moorweide gegenüber vom Dammtorbahnhof. Hier findet ihr den Aufruf.

14. Dezember 2009 at 7:38 nachmittags Hinterlasse einen Kommentar

Von wegen bornierter Kultursozialismus…

…in Wahrheit sind wir “Kreativen” doch Bauchladenbetreiber, die sich ihre Weihnachtseinkäufe hart erdealen müssen. Zum Beispiel am Wochenende im Frappant:

Die Künster_innen im und um’s Frappant herum helfen Euch aus der Patsche. Wer immer noch keine Weihnachtsgeschenke hat, wird hier fündig. Einzelstücke und Besonderheiten in Hülle und Fülle.

Sa. 19.12.09 + So. 20.12.09 jeweils von 12-20 Uhr, im Frappant in der Große Bergstraße,
im Erdgeschoss + im 7.Stock ( Aufgang über die Rampen auf der Rückseite )

Die Frappantiers suchen noch Aussteller für den Weihnachtsmarkt: Infos mit Kontakt bitte an info@vakant-frappant.de

Standgebühr : Kuchen + Pfund Kaffee

14. Dezember 2009 at 5:06 nachmittags Hinterlasse einen Kommentar

Frappant-Haus-Song (Kill Billy Dubstyle Remix)

Altona Downtown Rebel Dub Style! Das unvergleichliche Due Nutti Soundsystem (Rica Blunck, Jacques Palminger & Viktor Marek) hat ein beliebtes Protestlied neu interpretiert. Hier findet ihr den Download.

10. Dezember 2009 at 5:05 nachmittags 9 Kommentare

Freitag und Samstag im Frappant: Yes Men und Altona in S/W

Auch an diesem Wochenende brummt das Frappant:

Freitag den 11.12. um 20.30 Uhr, Goldener Salon, Große Bergstraße

THE YES MEN ARE FIXING THE WORLD – Dokumentarfilm

Keine Lust mehr auf Politaktivismus mit den immergleichen Mitteln? Etwas andere Methoden in der außerparlamentarischen Politik haben die YES MEN erfunden. Dabei handelt es sich um eine Aktivistengruppe, die Kommunikationsguerilla betreibt. Sie wurden mit einer Fälschung der Webseite der WTO bekannt und geben sich (in der richtigen Welt) gerne mal als Repräsentanten internationaler Konzerne aus – um als solche auf Konferenzen oder in viel beachteten Medien wie CNN überraschende Ziele zu verkünden…

”The Yes Men are fixing the World” von Mike Bonnano und Andy Bichlbaum, USA, 80 Min.


Samstag den 12. 12. um 19.30 Uhr, Goldener Salon, Große Bergstraße

DIE GROSSE BERGSTRASSE UND ALTONA IN SCHWARZ WEISS

Filmabend mit Material aus den 50er und 60er Jahren

Neu-Altona kann als Paradebeispiel des Wiederaufbaus in Hamburg gelten. Am Stadtteil Altona lassen sich sämtliche Strategien des Wiederaufbaus ablesen, die keineswegs einheitlich oder komplementär waren. Das zeigt sich an dem radikalen Umbau des gesamten Wohn- und Geschäftsgebiets östlich der Max-Brauer-Allee, in dem mit Schwerpunkt auf die Große Bergstaße eines der ersten Einkaufsparadiese der Nachkriegszeit entstand. Ende der Siebziger Jahre erlebte das Stadtviertel einen erneuten Wandel: der alte Bahnhof wurde abgerissen und durch ein modernes Bahnhofsgebäude ersetzt. In dem angrenzenden Ottensen setzte ein bis heute andauernder Gentrifizierungsprozess ein, der einen großen Teil der im Krieg nicht-zerstörten, alten Bausubstanz vernichtete.

Anschliessend skizziert die Architekturhistorikerin Sylvia Necker in einem kurzen Vortrag die Stadtentwicklungsphasen Neu-Altonas von 1950-1980. Diskussionen erwünscht.

10. Dezember 2009 at 5:04 nachmittags 2 Kommentare

Das Manifest auf spanisch

Mauricio Isaza Camacho von der Online-Zeitschrift “Ojal” hat das Manifest dankenswerterweise auf spanisch übersetzt. Hier könnt ihr das lesen. ¡Derecho a la ciudad!

9. Dezember 2009 at 11:11 vormittags 1 Kommentar

Droit à la ville

Köchin und NIONHH-Unterzeichnerin Sarah Wiener hat am Samstag unter dem Motto “Etwas Besseres als Ikea” vor dem Frappant in der Großen Bergstraße  Lausitzer Plinsen zubereitet. Sie schmeckten köstlich.

Hier, wie versprochen, das Rezept:

“Lausitzer Plinse”
1l Buttermilch
5 Eier
180g Mehl
50 g Zucker
Salz
1 Päckchen Backpulver
2 Äpfel, geschält und gerieben
Alle Zutaten gut mischen, Backpulver hinzufügen und den Teig in der Pfanne braten.

6. Dezember 2009 at 11:17 nachmittags 1 Kommentar

Das Frappant-Wochenende: St.Pauli, Gängeviertel, Schanze – und Sarah Wiener macht Pfannekuchen

Der Schandfleck lebt! Seit heute hat der Goldene Salon im Hafenklang Exil neue (alte) Sofas, die Rollbrett-Crew aus dem Karoviertel baut an einem Skaterpark im Erdgeschoss und wir richten uns auf einen langen Winter ein. Die erste Woche geht mit vier Premium-Veranstaltungen auf die Zielgerade – und die nächsten sind schon in Planung.

Im Einzelnen:

Fr 04. Dezember, 19:30H, Goldener Salon
HILFE, DIE TÜRME TANZEN Privatisierung, Verdrängung und Widerstand auf St. Pauli.

Seit 2005 sind die Mieten auf St. Pauli um fast 28% gestiegen, der Anteil von Migrant_innen hat sich im letzten Jahrzehnt halbiert, der Spielbudenplatz ist erfolgreich privatisiert, am Millerntorplatz entstehen die “Tanzenden Türme” von Teherani, an Stelle der Astra-Brauerei sind teuere Appartments entstanden und die Polizei verteilt Platzverweise an Dosenbiertrinker. Keine Frage – St. Pauli ist Toplage. Ganz St.Pauli? Nein. An der Bernard-Nocht-Straße wehren sich Bewohner_innen gegen die Errichtung von 78 Eigentumswohnungen und die GWA St. Pauli hat mit dem Film “St. Pauli Empire” den Antigentrifizierungs-Blockbuster im Sommer 2009 produziert. Diskussionsveranstaltung mit No BNQ, GWA, Hafenstraße, Park Fiction, Es Regnet Kaviar und dem Stadtteilarchiv St. Pauli. Für die Audiofiles einfach auf die Namen klicken und hier für die Publikumsdiskussion.

Fr 04.12. 21:30h, 6. Stock – zum letzten Mal

“Übersleben”
eine Theater-Installation nach “Die Memoiren einer Überlebenden” von
Doris Lessing aus dem Jahr 1974.
Im Anschluss Lieblingshits mit Charlotte Pfeiffer. Tanzen gestattet.
Platzreservierung unter uebersleben@googlemail.com
Aufgang über die Rampen auf der Gebäuderückseite Lawaetzweg, der
weißen Linie folgen

SA 05.12., 12 Uhr, Erdgeschoss und vor dem Frappant:

Koch- und Agitprop-Happening: ETWAS BESSERES ALS KÖTTBULLA

Unter diesem Motto kocht Sarah Wiener (bekannt aus Funk und Fernsehen) Lausitzer Plinsen – besser bekannt als Pfannekuchen. Das Rezept verraten wir demnächst an dieser Stelle.

Sa 05. Dezember, 19:30H, Goldener Salon
GÄNGEVIERTEL – GANGBARE BESETZUNG? Widerspruch und Möglichkeiten. Diskussion um die Perspektiven von Besetzungen.

Die “Komm in die Gänge”-Besetzung ist zum Symbol für den Kampf um eine andere Stadt geworden, zur prominentesten Hausbesetzung seit der Hafenstraße. Doch ist es überhaupt eine Besetzung? Kaum etwas erinnert an den Häuserkampf der 70er und 80er, und trotzdem scheinen die Gängeviertel-Aktivist_innen aus der Vergangenheit gelernt zu haben. Diskussion um das Selbstverständnis des Gängeviertels – mit Beiträgen aus dem Gängeviertel, dem Westwerk, der Hafenstraße dem Mietshäuser Syndikat und einer Publikumsdiskussion.

So 06. Dezember, 19:00H, Goldener Salon
AUF DEM SCHULTERBLATT NACHTS UM HALB EINS

Schanzen- und Karoviertel sind in den letzten Jahren vom Sanierungsgebiet zur Gastro- und Shoppingmeile geworden. Die Phase der allmählichen Aufwertung scheint einer Turbo-Gentrifzierung zu weichen, in der große Gastro- und Shoppingketten den neuen Schanzenkiez entern und noch der letzte grüne Fleck eventisiert werden muss. Wen wundert es, dass Immobilienspekulant Klausmartin Kretschmer und die Taz die Rote Flora nicht mehr zeitgemäß finden? Diskussionsveranstaltung zu Schanzen- und Karoviertel mit Centro Sociale, Rote Flora, Vorwerkstift, Gartenkunstnetz, Initiative Neuer Pferdemarkt u.a. Hier ist der Audiofile.

Und außerdem ist die Bar geöffnet:

4. Dezember 2009 at 12:44 vormittags Hinterlasse einen Kommentar

Mittwoch und Donnerstag im Frappant

Das Frappant ist heiß, trotz sinkender Temperaturen (es gibt Heizpilze!). Nach dem rauschenden Fest am Samstag und drei bestens besuchten Veranstaltungen geht es heute und morgen weiter:

MI 02. Dezember, 19:30, Erdgeschoss Frappant

STADTTEILVERSAMMLUNG RECHT AUF ALTONA für alle Altonaer Initiativen gegen Gentrifi zierung, Großprojekte und Grünentzug und für alle interessierten Bewohner_innen.Die Initiative gegen den Bau der Vattenfall-Trasse durch St. Pauli und Altona hat mal alle Aktivisten aus dem Bezirk zusammengetrommelt und lädt ein zur Loja Dschirga für Altona. Gehen soll es um echte Bürgerbeteiligung, um Perspektiven von Vernetzung und Widerstand, um den Masterplan Altona und die Belange der Einzelnen Initiativen. U.a. mit Moorburgtrasse Stoppen, Kein Ikea in Altona, Initiative Grünzug Altona, Apfelbaum braucht Wurzelraum u.a.

Do 03. Dezember, 19:30, im Goldenen Salon / Hafenklang Exil

GENTRIFIZIERUNG – WAS IST DAS? Am Beispiel St. Georg und Wilhelmsburg.

Gentrifizierung hat viele Gesichter – wir wollen heute abend mal an zwei Hamburger Stadtteilen versuchen, zu klären, wie sie abläuft, inwiefern sie ein von der Politik strategisch geplanter bzw. ein sozusagen durch den Immobilienmarkt gesteuerter Prozess ist. St. Georg erlebt seit gut zehn Jahren eine beispiellose Spekulationswelle, die Mieter_innen und kleinen Gewerben das Leben schwer macht – Michael Joho vom Einwohnerverein St. Georg berichtet darüber. Außerdem geht es um Wilhelmsburg: Mit IBA und Ballinstadt, subventionierten Studentenwohnungen und anderen Projekten soll die „Bronx des Nordens“ (Spiegel) im Sinne der Wachsenden Stadt erschlossen werden. Der Arbeitskreis Umstrukturierung Wilhelmsburg erzählt uns davon.

Nicht zuletzt sollte auch Gelegenheit sein, sich mit der Großen Anfrage zu Gentrifzierung inHamburg durch Die Linke zu befassen, die der Senat gerade beantwortet hat. Siehe hier der Artikel dazu aus der Taz.

2. Dezember 2009 at 2:49 nachmittags Hinterlasse einen Kommentar


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