Archiv für 21. Dezember 2009
That’s Bürgersinn!
Die Neue Züricher Zeitung beschäftigt sich in einem langen Stück anlässlich der Rückabwicklung des Gängeviertel-Kaufvertrags mit der Recht-auf-Stadt-Bewegung. Der Autor lobt uns dafür, das wir unseren “Protest ungleich intelligenter als andere unter die Leute bringen”, schlägt allerdings den Erfolg des Gängeviertels auch dem Umstand zu, dass in Hamburg “nicht nur die Pfeffersäcke” Gehör finden: “Hier galt der Bürgersinn stets viel”, schreibt die Schweizer Tageszeitung.
Jaja, der Bürgersinn der alten Hansestadt. Den hatte zuletzt der “Spiegel” überregional gelobt – vor fast vier Jahren, als Matthusek & Co. die Elbphilharmonie zur “Freiheitsstatue des hanseatischen Bürgertums” erklärten. Damals propagierten von Beust & Konsorten nämlich noch, die Baukosten damit bestreiten zu können, dass man in der Bourgeoisie den Klingebeutel rumgehen lässt. Zitat aus dem Spiegel 3/2006: “Denn es ist nicht der Staat, der diesen Traum in Wirklichkeit verwandeln soll. Es sind die Bürger selbst. Würden sie die Sache dem Staat überlassen, würde die Philharmonie nie gebaut werden. So aber wächst die Konzerthalle ihrer Verwirklichung entgegen. Zwei Säle, ein Fünf-Sterne-Hotel, Restaurants, Luxuswohnungen, Cafés, eine Plaza in 37 Meter Höhe. Die Mauern, die einst den Kakao umschlossen, werden die Autos verschwinden lassen. Altes und Neues vermählen sich, das luftige Schönheitsideal von heute beflügelt den alten Handelskaliban.”
Uuuuh! Kein Wunder, dass das dieses Bürgertum den Gängeviertelianern das selbstverwaltete Instandbesetzen handwerklich nicht zutrauen mag – so etwa Markus Schreiber, Bezirksamtsleiter Mitte, im Hamburg Journal vom 19.12.09. Die Vermählung von Altem und Neuem sieht nämlich nur gut aus, wenn Hochtief ordentlich dran verdient.
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