Klarstellungen zum Manifest

3. November 2009 at 11:49 am 4 Kommentare

Pressemitteilung vom 3. November 2009

Am 29. Oktober haben wir im Gängeviertel ein Manifest vorgestellt, in dem freie Kulturschaffende und Kreative Stellung zum Thema Gentrifzierung und Stadtentwicklung beziehen. Über den massiven Support freuen wir uns sehr. Aus den cirka 260 Erstunterzeichnerinnen und -unterzeichnern sind mittlerweile über 2600 geworden – die Zahl der Unterstützer hat sich in sechs Tagen verzehnfacht. Sehr in unserem Sinne ist, dass längst nicht mehr nur Menschen mit kreativen Berufen unterzeichnen. Schließlich haben wir unsere Rolle als „Kreative“ in Gentrifizierungs- und Aufwertungsprozessen thematisiert, um zu sagen: Die Stadt gehört allen. Wir beanspruchen keine hervorgehobene Stellung, wir kämpfen um Freiräume nicht anders als andere Einwohnerinnen und Einwohner dieser Stadt.

Deshalb halten wir es für notwendig, ein paar Missverständnissen vorzubeugen, die von politischer und von Medienseite an uns herangetragen werden. Das Manifest ist kein „Künstlermanifest“, kein „Aufschrei“ oder Forderungskatalog von sich vernachlässigt fühlenden Kreativen, die von Politikern an die Hand genommen werden möchten. Wir machen keine Lobbyarbeit damit und verwahren uns gegen Versuche, uns so zu interpretieren – mögen sie auch noch so wohlmeinend sein. All das steht zwar in „Not In Our Name, Marke Hamburg“ bereits deutlich drin, aber vielleicht muss man es nochmal und in Großbuchstaben sagen: WIR WOLLEN KEINE GÜNSTIGEN ATELIERS ALS ALIBI EINER STADT, DIE NUR FÜR DIE BESSERVERDIENENDEN DA IST.

Insbesondere die GAL scheint „Not In Our Name, Marke Hamburg“ aufgeschreckt zu haben. In gleich zwei Presseerklärungen zum Manifest erklärt die GAL, sie begrüße unsere Kritik, weil sie „das Problem der Gentrifizierung“ selbst „erkannt und benannt“ habe und „intensiv an Antworten darauf“ arbeite. Ehrlich gesagt: Da lachen ja die Hühner. Die GAL hat den Bau der Vattenfall-Fernwärmeleitung durch St. Pauli und Altona durchgewunken und lässt den den dortigen Arme-Leute-Grünzug auf Kosten „nicht zukunftsfähiger“ Sozialwohnungen aufschicken. Die GAL unterstützt die Ansiedlung von Ikea in der Neuen Großen Bergstraße massiv und sorgt damit dafür, dass die letzte Arme-Leute-Fußgängerzone in der westlichen inneren Stadt verschwindet. Die GAL hat zwei Monate lang zur Besetzung des Gängeviertels geschwiegen, um nach der Zahlung durch den Investor zu vermelden, es länge jetzt „in seiner Hand zu entscheiden, welche Zukunft die Kunstschaffenden im Viertel haben.“

Ein Wort noch zum Bürgermeister, der sich wünscht „dass diejenigen, die das unterschrieben haben, sich vorher geäußert hätten“: Zum Konzept der unternehmerischen Stadt und der Ideologie des meistbietenden Verhökerns – in Hamburg eine Erfindung der SPD und heute der ganze Stolz der CDU – gibt es seit vielen Jahren meterweise kritische Artikel, Bücher und andere Publikationen. Eine Literaturliste senden wir gerne zu.

Wer dem Manifest Forderungen ablauschen will, möge doch einfach die Solidaritätserklärung mit den diversen Initiativen und der Recht-auf-Stadt-Bewegung ernst nehmen, deren Forderungen wir uns zu eigen machen – unter anderem: Keine Moorburg-Trasse! Gängeviertel selbstverwaltet! Kein Ikea in Altona! BNQ stoppen! Bezahlbare Wohnungen überall in der Stadt! Keine Privatisierung öffentlicher Räume! Keine Vertreibung von Hartz- IV-EmpfängernInnen aus ihren Wohnungen! Freie Wohnortwahl für Flüchtlinge!

Ted Gaier, Melissa Logan, Rocko Schamoni, Peter Lohmeyer, Tino Hanekamp, Katharina Köhler, Thorsten Seif und Christoph Twickel für die „Not in Our Name, Marke Hamburg“-Initiative

Entry filed under: Manifest, Pressemitteilung. Tags: .

Unter Geiern Zeit druckt Manifest

4 Kommentare Add your own

  • 1. Rainer  |  9. November 2009 um 2:17 pm

    Wenn auch angebracht,muß zumindest mir keinem Missverständnis vorgebeugt werden.Mittels des selbsterklärten Aufmachers „Das Dokument des Aufschreis“ hat das HH-Abendblatt v. 31.10./O1.11 das MANIFEST immerhin (fast) im kompetten Wortlaut zitiert und auf >NIONWolf hier ‚mal Kreide gefressen und gut mitgeprintet<,wozu sicher auch
    die bekennenden PROMIS beitrugen, über die O V Beust gleich jammerte,
    hätten sie doch mal vorher mit ihm gesprochen.Das kann man doch gut
    einstecken.

    Antworten
  • […] öffentlichem Grund und Boden bleibt ausgeklammert. Wir müssen daher einmal mehr auf unsere „Klarstellung“ verweisen. Vielleicht sollten wir auch T-Shirts drucken, mit der Aufschrift: „Danke, […]

    Antworten
  • […] Warum sollten wir was gegen „Aufwertung“ haben, wenn damit was anderes bezweckt sein sollte, als die Inwertsetzung des Bodens und die Verdrängung der sprichwörtlichen „vier A’s“ (Arme, Ausländer, Alte, Arbeitslose)? Wie oft müssen wir noch ventilieren, dass wir unsere Rolle als „Kreative“ in Gentrifizierungs- und Aufwertungsprozessen thematisieren, um zu sagen: D…? […]

    Antworten
  • […] Warum sollten wir was gegen „Aufwertung“ haben, wenn damit was anderes bezweckt sein sollte, als die Inwertsetzung des Bodens und die Verdrängung der sprichwörtlichen „vier A’s“ (Arme, Ausländer, Alte, Arbeitslose)? Wie oft müssen wir noch ventilieren, dass wir unsere Rolle als „Kreative“ in Gentrifizierungs- und Aufwertungsprozessen thematisieren, um zu sagen: D…? […]

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Trackback this post  |  Subscribe to the comments via RSS Feed


Rubriken

Kalender

November 2009
M D M D F S S
« Okt   Dez »
 1
2345678
9101112131415
16171819202122
23242526272829
30  

%d Bloggern gefällt das: