Frappant: David meets Goliath

21. Januar 2010 at 3:25 pm 32 Kommentare

Weil wir bezweifeln, dass der Text in den Medien ausführlich genug zitiert wird, dokumentieren wir im Folgenden eine Presseerklärung aus dem Frappant:

Zitat GAL-Fraktion Altona: „ Der Neubau muss sich in den Stadtraum einfügen und soll einen deutlichen Beitrag zur Stadtreparatur leisten.“ Womöglich steht ja das Ikea-Haus in Coventry Pate!


Goliath gewinnt. David hat die besseren Karten.

Bei dem Bürgerentscheid der Initiative Pro-Ikea zeichnet sich ein Sieg der Ikea-Befürworter ab. Dieses Ergebnis kommt für uns nicht überraschend. Die Voraussetzungen für eine demokratische Meinungsbildung in einer Frage, die die Entwicklung im Stadtteil Altona-Altstadt auf viele Jahre prägen wird, war in keiner Weise gegeben.

Statt die Wahlberechtigten über das Für und Wider der Entscheidung zu informieren[1], arbeitete der Bürgerentscheid mit einer Suggestivfrage: Man versprach den Bürgern, mit der Ansiedlung von Ikea werde der Stadtteil „nachhaltig belebt und attraktiver“.

Warum wir diese Verheißung für irreführend halten, haben wir mehrfach ausführlich dargestellt: Ein Ikea auf 20 000 Quadratmetern verschandelt den Stadtteil mit einem überdimensionierten Zweckbau, bringt Verkehrsprobleme mit, für die es mitten im Wohngebiet keine Lösung geben kann und führt zu Mietsteigerungen auf dem Immobilienmarkt, denen viele Mieter und Gewerbetreibende nicht standhalten werden können.

Auf unsere Versuche, mit einer ehrenamtlich organisierten Informationsoffensive auf diese Probleme hinzuweisen, haben lokale Revolverblätter und Bezirkspolitiker mit einer Diffamierungskampagne reagiert. „Glatt gelogen“ titelte das Altonaer Wochenblatt und in der Bild-Zeitung hieß es „Bild entlarvt die Lügen der Ikea-Gegner“. Was war geschehen? Wir hatten mit unserem Slogan „Ikea bringt die Autobahn quer durch Altona“ schlicht aufgegriffen, was Altonas CDU-Chef Uwe Szczesny am 9. März letzten Jahres dem „Handelsblatt“ zu Protokoll gegeben hatte: „Und eine neue Stichstraße soll von der A7 direkt zum Möbelhaus führen.“[2]

Trotz (oder wegen) des Gegenwinds haben wir erreicht, dass die Ikea-Ansiedlung inzwischen äußerst kontrovers diskutiert wird. In der Endphase des Bürgerentscheids haben sich die lokalen Medien dazu bequemt, unsere Einwände und Recherchen aufzugreifen. Die Details, die dabei zu Tage gekommen sind, sprechen für sich: Ikea-Sprecher erklären, dass es kein „City Konzept“ gibt, dass immer ein Vollsortiment geplant war und dass der Bezirk eine Ansiedlung an einem verkehrsfreundlicheren Standort verhindert hat. Erst im Lichte dieser Informationen kommen wir allmählich an den Punkt, an dem eine qualifizierte Auseinandersetzung über das Für und Wider einer Ikea-Ansiedlung in der Großen Bergstraße beginnen kann. Wir begrüßen daher sehr, dass die Initiative „Kein Ikea in Altona“ die für die Durchführung ihres Bürgerbegehrens notwendigen Unterschriften eingereicht hat. Den damit einhergehenden Suspensiveffekt haben Bezirk und Senat zu respektieren.

Wir halten fest: Die Wählerinnen und Wähler haben sich im ersten Bürgerentscheid mehrheitlich dafür entschieden, daran zu glauben, Altona-Altstadt werde durch Ikea „nachhaltig belebt und attraktiver“. Unsere Einwände haben eine Welle von Dementis und Versprechungen seitens der Politik und des Unternehmens provoziert, die das Abstimmungsverhalten zugunsten von Ikea beeinflusst haben. An diesen Aussagen werden die Einwohnerinnen und Einwohner Ikea in Zukunft messen. Nicht nur die Gegner, auch die Befürworter einer Ikea-Ansiedlung in der Großen Bergstraße werden die künftigen Schritte des Unternehmens mit Argusaugen beobachten. Im Einzelnen:

-Ikea in Altona werde „ein besonderes Haus, dass speziell auf Fußgänger und Bahnfahrer ausgerichtet ist.“ (Uwe Szczesny, CDU Altona). Tatsächlich will Ikea ein Vollsortiment auf einer Fläche in der Größe der Moorfleet- und Schnelsen-Filialen anbieten. Was ist, wenn die Annahme des Verkehrsgutachtens nicht zutrifft, dass mindestens 50% der Kunden mit dem ÖPNV kommen – zumal die Beförderungsbedingungen des HVV den Transport von Möbelstücken ohnehin untersagen?

-Die GAL-Fraktion warb für Ikea mit dem Versprechen, die Dimensionen des Möbelhauses zu reduzieren: „Der Neubau muss sich in den Stadtraum einfügen und soll einen deutlichen Beitrag zur Stadtreparatur leisten.“ Wie geht das zusammen mit den bisherigen Planungen des Ikea-Gebäudes, demzufolge die Maße des Frappants noch deutlich überschritten werden?

-Klaus-Peter Sydow von der Pro-Ikea-Initiative erklärt zu Ikea: „Davon werden alle, die in der Straße aktiv sind, etwas haben.“ Angenommen, es läuft anders, nämlich so, wie in allen anderen Ikea-Filialen: Die Leute fahren auf’s Parkdeck, verschwinden zwei Stunden im blaugelben Klotz und fahren wieder weg. Wird Ikea sich dann höflich entschuldigen und wieder rückbauen? Wird Ikea sein 700-Leute-Restaurant schließen, wenn die ersten Gastronomen in der Umgebung wegen der Dumping-Preise für Kaffee und Köttbullar Pleite machen?

-Die CDU-Altona spricht plötzlich von einer „sozialen Erhaltungsverordnung“ und davon, dass der Stadtteil für „preiswertes, familiengerechtes Wohnen verbessert werden müsste.“ Tatsächlich reagiert der Immobilienmarkt auf Großprojekte wie Ikea erfahrungsgemäß mit steigenden Preisen – sowohl für Wohnungs- wie auch für Gewerbemieten. Wenn, wie in der Schanze, St. Georg und St.Pauli geschehen, die ärmeren Mieter abwandern, wird Ikea im Zentrum der Kritik stehen.

Fazit: Verkehr, Verschattung, Verdrängung kleiner Gewerbe und ärmerer Bevölkerungsgruppen:  Der Preis für die Ansiedlung in der Großen Bergstraße wird sein, dass all diese negativen Folgen direkt mit der Politik von Ikea in Verbindung gebracht werden. Ikea steht in Altona auf den Prüfstand. Es kann nicht im Interesse des Unternehmens sein, sich durch eine unüberlegte Planung mitten im Wohngebiet in Verruf bei seinen Kunden zu bringen. Es gibt in Hamburgs Westen genügend Flächen in Autobahnnähe, an denen ein Ikea-Haus für die Altonaerinnen und Altonaer leicht erreichbar wäre – der Othmarschen-Park am UCI-Kino wäre z.B. eine. Wir raten Ikea: Erkenne die Möglichkeiten!

Hamburg, 21. Januar 2010

Initiative „Einen Gang Zulegen“

Frappant e.V.


[1] In den gesetzlichen Bestimmungen zum Verfahren des Bürgerbegehrens ist die Rede davon, dass den Unterlagen ein “Abstimmungsheft” beizulegen ist, in welchem in gleichem Umfang die Positionen zur Abstimmungsfrage gegenübergestellt werden müssen. Dem Pro-Ikea-Begehren lag lediglich ein Flyer mit Parolen und Werbegrafiken bei. Ein Formfehler ersten Ranges.

[2] http://www.handelsblatt.com/finanzen/immobilien/ikea-soll-altona-aufwerten;2191707

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Weiterhin wuschig Das Empire hebt ab! Psychokinetisches Experiment schickt Immobilienwirtschaft ins Weltall

32 Kommentare Add your own

  • 1. themroc  |  21. Januar 2010 um 4:54 pm

    Hmm, klingt nach schlechte Verlierer. Vor allem nervig, dass ihr die Bürger für zu dumm haltet, das für und wieder abzuwägen. Wenn das die Politik beim Buchenhof o.ä. gemacht hätte, wäre aber was los gewesen. Eure Argumente sind mit auch nach wie vor nicht einleuchtend (bis auf die in meinen Augen total überzogen dargestellte aber dennoch diskutable Verkehrsproblematik). Ich glaube ja nach wie vor, dass viele aus Altona und umgebenen Stadtteilen dort eher wegen des Eventcharakters (einfach mal schauen, Köttbullar essen und Kleinigkeiten mitnehmen) kommen werden und das mit der S-Bahn. Dass sie dabei an den Läden in der Bergstraße komplett achtlos vorbei gehen, möchte ich bezweifeln.
    Überhaupt noch nicht verstanden habe ich die Logik zwischen „Kaufhaus macht Geschäfte drumherum kaputt“ und „steigende Mieten“. Freue mich da endlich mal über Aufklärung.
    (schön übrigens, dass es endlich mal ein Blog in der Szene gibt, wo man kommentieren kann)

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  • 2. nionhh  |  21. Januar 2010 um 6:44 pm

    Wer hält die Bürger für zu dumm? Wir? Wenn dass der Fall wäre, hätten wir uns nicht die Mühe gemacht, 60 000 Flyer zu drucken und zu verteilen und vieles mehr. Es geht sowieso nicht um dumm oder nicht – sondern darum, sich schlau zu machen. Die Aufklärung zu deiner Frage findest du (für die USA) u.a. in den „Key Studies on Big Box Retail“ unter folgendem Post: https://nionhh.wordpress.com/2009/11/29/montag-im-frappant-etwas-besseres-als-ikea/

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    • 3. timo  |  21. Januar 2010 um 7:13 pm

      es ist doch zu schön zu lesen, dass zum einen über die fragestellung gemeckert wird („Statt die Wahlberechtigten über das Für und Wider der Entscheidung zu informieren, arbeitete der Bürgerentscheid mit einer Suggestivfrage“) und zum anderen den eigene, völlig subjektive flyer als aufklärung zu bezeichnen. sorry – aber für mich einfach nicht verständlich…

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      • 4. nionhh  |  21. Januar 2010 um 8:38 pm

        „völlig subjektiv“? Was war was darin subjektiv? Bisschen mehr Mühe geben, so kommt keine Debatte zustande!

  • 5. guadalupeamor  |  21. Januar 2010 um 6:46 pm

    nee – ihr seid keine schlechten verlierer sondern super. versuche von etwas direkterer demokratie auf hohem informations- und argumentationsniveau ohne obama-grassroot-power im hintergrund sind neu und schwierig. aber auf jeden fall einen versuch wert. ist genau richtig, weiterhin allen akteuren genau auf die finger zu schauen. trotzdem – sehr schade, dies ergebnis und woran es genau lag schwer zu sagen. bisschen wähler_innenschelte darf auch ruhig sein: ich glaube, viele sind einfach so drauf, dass alles was nicht quadratisch, praktisch, kommerziell ist eben ein schandfleck ist.

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    • 6. Gracelin  |  30. Dezember 2014 um 2:55 am

      It’s a joy to find sonmoee who can think like that

      Antworten
  • 7. nionhh  |  21. Januar 2010 um 6:58 pm

    Hier das offizielles Ergebnis des Pro Ikea-Bürgerbegehrens frisch aus dem Altonaer Rathaus:

    Ja 77,16% oder 62412 Stimmen
    Nein 22,85% oder 18480 Stimmen
    Gültige Stimmen insgesamt: 80892 Stimmen oder 43,44% der Abstimmungsberechtigten

    Und damit hier keiner Trübsal bläst: Fast ein Viertel der Wählerinnen und Wähler haben gegen Deutschlands beliebtestes Möbelhaus gestimmt, obwohl die Pro Ikea Initiative sie mit einer irreführenden Frage auf’s Glatteis führen wollte und „Bild“ und „Wochenblatt“ systematisch desinformiert haben. Das ist ein ordentliches Ergebnis, finde ich.

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  • 8. Altona Altstadt  |  21. Januar 2010 um 7:31 pm

    Na ja, was soll Mensch schon erwarten, wenn die gesamte Parteienmaschinerie (bis auf die Linken) in Altona, geschlossen einen Bürgerentscheid initiert, begrüsst, bewirbt und PR mäßig durchstartet, für etwas was sie sowieso politisch umsetzen wollten. Die Fragestellung des Bürgerentscheids war ungefähr so ausgewogen wie die Fernsehumfragen auf NTV: „Sind sie dafür härter gegen Kriminelle vorzugehen, die ihnen den Kopf abhacken wollen?“ Schon hart da mit Nein zu stimmen, oder? Im übrigen lehne ich es ab, daß Blankeneser und Rissener bestimmen wollen, was ich vor die Nase gesetzt bekomme. Ich mische mich ja auch nicht in deren Angelegenheiten ein!

    Antworten
  • […] IKEA-Gegner jetzt mit einsteigen in diesen Prozess, um das Beste daraus zu machen, anstatt sich als schlechte Verlierer zu zeigen, die den Bürgern vorwerfen, schlecht informiert gewesen zu sein (obwohl sie doch selbst 60.000 Zettel verteilt haben). Natürlich muss man den jetzt im Frappant […]

    Antworten
    • 10. Allee  |  22. Januar 2010 um 1:41 pm

      Machen wir das Beste daraus und schlagen dabei zwei Fliegen mit einer Klappe. Steigen Sie bei der Entwicklung des Möbelhauses am Othmarschen-Park ein und denken Sie darüber hinaus, über die Entwicklung von kleinteiligem Gewerbe, Wohnungen, Arbeitsräumen in der Großen Bergstraße nach.

      Der CDU-Fraktionschef aus Altona hat es auf den Punkt gebracht:
      Der politische Wille macht es möglich.

      Antworten
  • 11. herr_guenni  |  22. Januar 2010 um 12:06 am

    77% klingt viel…wenn man aber bedenkt das der Bezirk Altona 14 stadtteile,wie:Lurup,Osdorf,Blankenese und so weiter umfasst (nachzulesen auf wikipedia) wundert das ergebniss doch nicht…oder wurde nur in den direkt betroffenen gebieten abgestimmt?
    Alle die nicht direkt betroffen sind finden ikea doch super solange der klotz eben nicht bei ihnen gebaut wird.

    Antworten
  • 12. Bert  |  22. Januar 2010 um 3:21 pm

    Man sollte einfach wissen, wann man in einem demokratischen Prozess verloren hat. Und eindeutiger hätte der Volksentscheid wohl kaum ausfallen können. Die Frage war noch nicht mal besonders suggestiv gestellt, man konnte ganz ohne Probleme auch Nein ankreuzen.
    Dann sollten sich die Gegner noch mal den gesamten Prozess vor Augen führen: Zuerst gab es die Nein zu Ikea-Initiative, die anfing, Unterschriften zu sammeln (und nur ganz langsam welche bekam). Befürworter wurden dadurch aufgeschreckt und konnten viel schneller die nötige Zahl an Unterschriften sammeln, den ersten Entscheid viel schneller durchsetzen – und haben jetzt gewonnen. Da ist jedem ehrlichen Demokraten klar, dass es deutlicher nicht geht.
    Mag ja sein, dass diese Mehrheitsmeinung den Gegner nicht passt, klar. Und vielleicht erweist sie sich im Laufe der kommenden Jahre auch tatsächlich als falsch. Aber wer wie in diesem Fall die Gegner einen basisdemokratischen Prozess angestoßen hat, muss am Ende auch mit der Entscheidung leben und sollte sich als guter Verlierer erweisen.
    An die Künstler, die das Frappant derzeit nutzen, hier noch ein völlig altkluger Rat: Wenn Ihr Euch jetzt als guter Verlierer erweist, habt Ihr mit Sicherheit viel Kredit bei der Mehrheit. Daraus ließe sich dann sicher was machen. Eine Blockade-Haltung hingegen würde auf Dauer wohl eher mit „Volkszorn“ beantwortet – außerdem würde Euch kein Immobilienbesitzer mehr eine Zwischennutzung genehmigen.

    Antworten
  • 13. Bert  |  22. Januar 2010 um 3:33 pm

    Übrigens frage ich mich immer noch, warum Ihr Euch eigentlich solidarisch zeigt mit der Pferdemarkt bleibt-Inititative. Klar, ich bin auch voll für den Erhalt des Hundeklos, statt dort eine klasse Skulptur aufzustellen, die die Stadt und ihre Menschen noch nicht mal was kostet! Jippieh, es lebe das Spießertum auf St. Pauli!

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    • 14. Ernie  |  22. Januar 2010 um 10:19 pm

      Bei der „Skulptur“ handelt es sich um einen buddhistischen Schrein und das das „Spießertum“ auf St.Pauli mit Religion im öffentlichen Raum ein Problem hat, kann Mensch gut verstehen.

      Antworten
      • 15. Bert  |  25. Januar 2010 um 10:33 am

        Ist ja auch wirklich schrecklich und abscheulich, so ein Schrein! Ih! Dann schon lieber das Hundeklo, schon klar. Und abgesehen davon bin ich schon längst für die Schleifung der Kirchtürme.

  • 16. Walther  |  23. Januar 2010 um 11:55 am

    Wer ernsthaft glaubt, bei diesem Bürgerentscheid, an einem demokratischen Prozess beteiligt gewesen zu sein, ist offenbar so sehr von der Desinformationspolitik beeinflusst, dass er/sie widerstandslos als kritiklose Marionette für den Erhalt und Ausbau der bestehenden Machtverhältnisse missbraucht werden kann.

    Antworten
    • 17. Bert  |  25. Januar 2010 um 10:30 am

      Ist schon klar, IKEA zahlte jedem, der öffentlich das Ja angekreuzt hat, 5 Euro in Form eines EInkaufsgutscheins, außerdem gab’s Kötbullar satt.

      Zur Desinformation: Wer hat denn ein Autobahn-Logo genutzt für die Kampagne? Desinformation? NEIN wie kommt man denn darauf, es wird GARANTIERT eine Autobahn nach Altona gebaut. Ist schon klar.

      Ich sah nur zu Hause den Stimmzettel und auf der Straße das Autobahnplakat der Gegner. Beim Stimmzettel lag auch kein weiteres „Propagandamaterial“. Geht’s noch viel demokratischer? Glaubt irgendjemand im Ernst, aufgrund der ach so tendenziösen Fragestellung schwenkte irgendein Wähler von Nein zu Ja?

      Sollte es tatsächlich noch einen Entscheid geben, würde das die Mehrheit der Wähler nicht verstehen: „Wieso soll ich jetzt noch mal wählen, das wurde doch schon entschieden.“ Vielleicht würde sich das Ergebnis marginal Richtung Nein bewegen, vor allem aber aufgrund einer viel geringeren Wahlbeteiligung. Warum wollten eigentlich die IKEA-Gegner keinen gemeinsamen Entscheid? Die Frage „Sind Sie für ein IKEA-Möbelhaus an Stelle eines Künstlerzentrums in der Großen Bergstraße? Ja Nein“ hätte ich am besten gefunden…

      Aber ganz egal, was man hier vernünftig zu dem Thema äußert: Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Es kann nicht sein, dass die Mehrheit der Altonaer tatsächlich lieber bei IKEA shoppen geht, als sich auf ein Künstlerzentrum zu freuen. Und die Erde ist und bleibt eine Scheibe. Zum Glück sandte Gott weise Menschen, die uns die Wahrheit verkünden können. Amen.

      Antworten
  • 18. Ralf Hendel  |  23. Januar 2010 um 1:03 pm

    Die Webseite des Handelsblatt-Interviews ist nicht verlinkt.
    Nach den Diffamierungskampagnen der letzten Zeit und der angeblichen Verleumdungsklage durch Herrn Czszesny halte ich es für sehr wichtig, seine im Interview abgegebene Aussage möglichst gut verfügbar zu halten und diese so weit zu verbreiten wie es nur geht…
    Plant Herr Czszesny nun auch schon rechtliche Schritte gegen das Handelsblatt?

    Antworten
    • 19. nionhh  |  24. Januar 2010 um 8:42 pm

      …ist jetzt verlinkt!

      Antworten
  • 20. laetti  |  24. Januar 2010 um 3:08 am

    Es ist zwar schön, jetzt in Stereotypen zu schimpfen – aber sie passen nicht! Ich habe Freunde, die direkt am zukünftigen IKEA dran wohnen – und trotz mindestens 3 Jahren Bauzeit und Lärm vor der Haustür etc DAFÜR gestimmt haben, da sie sich auf nen Hot Dog auf dem Heimweg von der Arbeit freuen und kenne genauso gut Blankeneser, die DAGEGEN gestimmt haben, Motto „So weit ist es nach Schnelsen nicht, ich brauche nicht noch einen IKEA.“

    Ich glaube, es gibt ganz einfach genug Menschen im Bezirk Altona, die realistisch rechnen können und in denen in der Abwägung zwischen Utopie, knapper Kassen und verlockendem Angebot eines blau-gelben Riesen diese als beste erstrebbare Lösung vorkommt. Und so erwachsen sollte man das auch behandeln, egal wie schön oder auch wie durchgerechnet und durchgeplant die Utopie bisher war…

    Antworten
  • 21. nionhh  |  27. Januar 2010 um 8:14 pm

    Pressemitteilung

    Tabula rasa statt Dialog: Die schwarzgrün-blaugelbe Koalition hat aus den Diskussionen um Ikea in Altona nicht gelernt.

    Der Senat der Freien und Hansestadt Hamburg hat gestern beschlossen, weitere Genehmigungsverfahren zum Bau des Einrichtungshauses Ikea in der Großen Bergstraße zu evozieren. Gleichzeitig haben die Unternehmensvertreter von Ikea Gesprächstermine mit Anwohnerinitiativen und dem Frappant e.V. platzen lassen. Auch ein von Ikea angekündigter „Planungsworkshop“ mit Kritikern und Befürwortern des Projektes wird nicht zustandekommen.

    Diese Entwicklung ist für uns ein klares Zeichen dafür, dass weder die Stadt, noch der Bezirk, noch Ikea aus den öffentlichen Diskussionen um das Frappant Areal gelernt haben. Statt sich der Kritik an mangelnden Verkehrskonzepten zu stellen, Planungen öffentlich zu machen und das Versprechen eines „City Konzeptes“ zu konkretisieren, macht die schwarzgrün-blaugelbe Koalition aus dem Projekt wieder die black box, die es von Anfang an war. Der Senat und Ikea missbrauchen damit nicht zuletzt auch das Vertrauen der 77 Prozent, die mit dem Pro-Ikea-Bürgerbegehren einen Plan unterstützt haben, von dem sie bis dato nicht mehr wissen konnten, als dass es um ihr liebstes Einrichtungshaus geht. Mehr sollen sie offensichtlich auch in Zukunft nicht erfahren.

    Dem unerwarteten Rückzug des Unternehmens aus dem Dialog mit kritischen Anwohnern und den derzeitigen Nutzern des Gebäudes entnehmen wir, dass Ikea nun doch auf eine zügige Abwicklung setzt und die Drecksarbeit dabei dem derzeitigen Verwalter „Immotrading“ überlassen will. Zur Erinnerung: Noch am 17.12. vergangenen Jahres erklärt die Unternehmenssprecherin Simone Settergren im Hamburger Abendblatt: „Wir wollen dort keine Räumung, und wir sind an einer einvernehmlichen Lösung interessiert.“

    Die Verhandlungen um die Viktoria-Kaserne finden vor dem Hintergrund statt, dass die Frappant e.V. organisierten Mieter_innen derzeit mit einer Räumungsklage konfrontiert sind, deren Streitwert 60 000 Euro überschreitet. Natürlich kann der Frappant e.V. die angebotenen Räume in dieser Situation nicht einfach ausschlagen. Um eine „passende Lösung für die Künstler“, wie Kultursenatorin Karin v. Welck sagt, handelt sich aber nicht. Zum einen geht es dort nur um eine Zwischennutzung von bislang 12 Monaten – eine langfristige Perspektive für einen Kulturort in Altona-Nord bzw. Altona-Altstadt ist nicht gegeben. Zum anderen liegt die Viktoriakaserne mitten in einer Wohnstraße. Vorstandsmitglied Benjamin Häger: „Größere Ausstellungen, Filmabende oder Musikveranstaltungen, die im Frappant immer möglich waren, werden dort nicht stattfinden können. Dem Frappant e.V. ging und geht es aber auch darum, einen Ort für Kultur zu schaffen, der öffentlich genutzt werden kann.“

    Hamburg, 27.1.2010
    Frappant e.V.
    Initiative Einen Gang Zulegen

    Nachtrag zu unserer Pressemitteilung zur Evozierung des Ikea-Genehmigungsverfahrens

    Die Ikea-Sprecherin Simone Settergren hat uns heute nachmittag telefonisch mitgeteilt, dass man nicht den Dialog abbrechen möchte und einen Termin am 18. Februar für weitere Unterredungen und einen Planungsworkshop vorgeschlagen. Wir begrüßen selbstverständlich die Dialogbereitschaft grundsätzlich, sind aber erstaunt, dass Ikea die Gespräche zu einem Zeitpunkt ansetzt, an dem es zumindest zwischen Ikea und Frappant e.V. voraussichtlich nichts mehr zu bereden geben wird, weil die Räumungsklage der Immotrading dann wirksam geworden ist. Dass sich Ikea mit den Anwohnergesprächen so viel Zeit lässt, alle Genehmigungen aber jetzt im Hauruck-Verfahren durchgezogen werden sollen, zeugt nicht unbedingt davon, dass man auf Bürgerbeteiligung bei der Ansiedlung des Einrichtungshauses in Altona-Altstadt viel Wert legt.

    Frappant e.V. / Initiative Einen Gang Zulegen

    Antworten
  • 22. Walther  |  1. Februar 2010 um 8:09 am

    „Formfehler ersten Ranges“
    – hätte eine formaljuristische Klage deswegen Aussicht auf Erfolg?

    Antworten
  • 24. Rainer  |  5. Februar 2010 um 12:40 pm

    Mich interessiert folgendes:
    gibt es seitens IKEA oder des Bezirksamtes Altona ausser der bisher einzig publizierten Ansichts-Animation Pläne des beauftragten Architekturbüros,bzw.seitens der Stadtplanungsabteilung ALTONA Aussagen für das Frappant-Gelände betr. Verkehrsrschließungsvorhaben?
    Insbesondere betr. dies einen mind. 1:500 Lageplan,der darstellt,wie und wo z.b. die permanente Anlieferung der schweren IKEA-LKW’s vonstatten gehen soll.
    Sollte IKEA’s „erstes innerstädtische Haus“ bestückt werden wie z.b. Schnelsen,hinge hiermit eine nachzuweisende Logistik zusammen.
    Ebenso bleibt (mir) unklar,wie+wo eine barrierefreie ERDGESCHOSS-Erschließung vorgesehen ist,bzw. wie dies mit einem PARKHAUS für
    die OBERGESCHOSSE in Zusammenhang mit dem Abtransport der
    Käufer/Innen und ihren Waren per PKW oder Liefererwagen vonstatten gesehen soll?

    Antworten
  • 25. Rainer  |  5. Februar 2010 um 12:51 pm

    SORRY-PS: auch wenn es in der „Pressemitteilung“ v.27.1. heißt,hierüber
    gäbe es unverändert noch k e i n e „Pläne usw.“, kann das angesichts der
    gewiß bauantragsreif fortgeschrittenen Planung nicht der Fall sein,vor allem nach zu 77% positiven Stimmen!!

    Antworten
  • 26. michael  |  9. Februar 2010 um 10:03 am

    um es vorab zusagen:

    1.:ich verfolge jetzt schon seit längerem die stadtentwicklung in hamburg und in städten. ich habe den „Not In Our Name, Marke Hamburg!“ auffruf gelesen, und unterschrieben, da ich in inhaltlich voll und ganz unterstütze.

    2.: ich kenne keine vergleichbare situation, (Ikea mitten in der stadt) und möchte mir daher kein unrteil erlauben ob es als motor für eine angeschlossene Fußgängerzone funktionieren kann oder nicht.

    je länger ich mir die disskussionen um gentrifizierung etc. anschaue, bekomme das gefühl, das diese teilweise doch sehr einseitig und unobjektiv geführt wird.

    ich will sagen:
    das verhalten, der nutzer des frappant gebäudes, also das aufschreien und brandmarken des besitzers / des neuen nutzers rührt evtl doch auchdaher, daß man die eigene situation (zu wahscheinlich relativ günstigen mieten räumlichkeiten zu benutzen und einer tätigkeit nachzugehen, die sich unter wirtschaftlichen gesichtspunkten nur mühsam selbst trägt) erhalten möchte (was für mich durchaus nachvollziehbar ist).

    wenn dem so ist, wäre doch genau dies ein zutiefst wertekonservierendes verhalten, was in der überwiegend links-kreativen szene im allgemeinen doch eher der „gegenseite“ zugeordnet wird.

    da ein kollektiv, wie es im frappant offenbar angesiedelt ist, meines erachtens nach einen großteil seines charmes und seiner kreativen energie daras bezieht, das es den aspekt des flüchtigen / des veränderbaren als grunlegende eigenschaft in sich trägt, kann man auf die idee kommen das durch oben genanntes verhalten die eigene kreative identität zu gunsten einer konservative position aufgegeben wird.

    dies soll keine kritik sein, wie gesagt ich kann dieses verhalten durchaus nachvollziehen. es solllediglich ein anreiz sein, die eigene position zu überdenken.

    denkt mal drüber nach.

    Antworten
    • 27. Rainer  |  9. Februar 2010 um 11:37 am

      Diesem generell kritischen Aspekt kann ich durchaus folgen.Er spricht im Prinzip die ‚hamburgische Besetzerhistorie‘ an, seit in den späten 80ern zuerst Konflikte um die Hafenstraße eskalierten und wenig später um die „Rote Flora“ im Schanzenviertel.Entspr. Investoren beklagten schon immer,die Gegner neuer Bauvorhaben in derartigen „sozialen Brennpunkten“ seien im Kern „wertekonservativen Geistes“ resp. hätten „Angst vor Veränderungen.Sie versuchten so,die STADT für sich zu gewinnen,weils schließlich kategorisch nur ums Geld geht – und die STADT neuzeitlich infolge der „Krise“ am vermeintlichen Hungertuch nagt ,also giert nach Investoren wie jetzt im Falle Frappant/IKEA.

      Es irrt also,wer es sich zu einfach macht und meint,“gewisse Kreise“
      nutzten diese Misere grundsätzlich und regelmäßig,ohne ein wirkliches
      Interesse an den für sie günstigen Immobilien (dito GängeViertel) zu
      haben.Dieser Verdacht denunziert eben jene Kreativen,die gewiss
      nicht seßhafter Natur sind, aber auf günstige Bleiben angewiesen sind,um künstlerisch/unabhängig arbeiten zu können. Ihr engagiertes
      Auftreten mittels professioneller Artikulation bedeutet nicht, sie
      „politisch“ orten oder einstufen zu dürfen.

      Antworten
      • 28. laetti  |  10. Februar 2010 um 1:31 pm

        Natürlich ist die Konfrontationslinie nicht neu – also sind es auch nicht die Argumente, die allseits benutzt werden. Aber wenn man – auch nur für eine Minute – die Scheuklappen des eigenen Lagerdenkens ablegt, stellt sich jede Situation doch individuell dar: Im Gängeviertel war es die stadteigene Spinkenhof, die die Häuser hat verkommen lassen um sie dann für nen „Appel und n Ei“ Hanzevast hinterher zu werfen, damit dort Glas und Stahl wachsen kann. Stadtplanerisch ein doppelter FAIL.
        Am Frappant liegt die Sache anders – Frappant hat von Anfang an das Gebäude „bewirtschaftet“. Als es nix mehr kommerziell zu holen gab, dann eben an Künstler und Gründer. Deutlich anderer Ansatz auf jeden Fall, immerhin kaputtwuchern kann man Frappant nicht vorwerfen. Jetzt wollen sie mit ihrer Immobilie einen neuen Weg gehen und lassen sich immerhin was einfallen. Ob Leute, die eine neue Schrankwand kaufen wollen, sich tatsächlich das Rangieren in kleinen Straßen mit dem geliehenen Transporter zumuten (statt nach Schnelsen zu fahren) oder ob eher die Leute in der Mittagspause kommen um sich die obligatorische Packung Telichter zu holen – das wird sich zeigen…

  • 29. nionhh  |  10. Februar 2010 um 2:37 pm

    Stimmt nicht, die bisherigen Eigentümer haben das Frappant seit gut 7-8 Jahren nur noch als Spekulationsobjekt behandelt, es verkommen lassen und sind noch nicht mal den grundlegenden Pflichten nachgekommen: Taubendreck wegmachen, Schneeräumen etc. etc. Der Bezirk hat das geduldet, weil man offensichtlich die „Schandlfleck“-Ästhetik brauchte, damit am Ende alle alles besser finden als das derzeitige Betongebäude.
    Auch im Fall Frappant hätte die Politik die Eigentümer dazu zwingen müssen, das Gebäude einer vernünftigen Nutzung zuzuführen – Interessenten aus dem kulturellen und sozialen Bereich gab es.

    Antworten
  • 30. michael  |  13. Februar 2010 um 1:36 pm

    wobei es ja im auge des betrachters liegt, was eine vernünftige nutzung ist.

    Antworten
  • 31. Gaby  |  21. Februar 2010 um 10:19 am

    1. Warum soll das IKEA-Gebäude in Coventry eigentlich scheiße aussehen? Soll da etwa ein Fachwerkhaus stehen? Wenn das in Altona SO aussieht, dann finde ich das gut. Hat doch etwas Futuristisches.
    2. @ nionhh: Glaubst du wirklich, dass du mit THC-geborenen Verschwörungstheorien irgend jemanden hinter dem Ofen hervorlocken kannst?Das böse, internationale Finanzkapital scheut keine Intrige? Und vor allen Dingen: Das macht es nur, um dich zu ärgern. Auch wenn es dafür viel Geld vereschleudern muss? So ein Quatsch. Alter Hamburger Kaufmannsspruch: Was kostet mich das? Was habe ich davon? Was bleibt für mich dabei übrig?

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